Ausgehend von den Wechselwirkungen der Nachhaltigkeitsziele mit digitalen Technologien sowie gesellschaftlichen und ökonomischen glaub ich sehr gut in drei Lernvideos umsetzbar, mit grafischer Unterstützung
Die erste Dynamik ist die Digitalisierung für Nachhaltigkeit und betrifft das konkrete Zusammendenken von Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Digitalisierung muss kurzfristig genutzt werden, um als Mittel für die Lösung von Nachhaltigkeitsproblemen zu dienen. Damit das Erdsystem geschützt und soziale Kohäsion gesichert wird, müssen digitale Technologien so eingesetzt werden, dass sie den Menschen weltweit Zugang zu Gesundheitsversorgung, Energie und Bildung ermöglichen und gleichzeitig die Umweltzerstörung verhindern.

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Der WBGU hat eine Reihe von digitalen Potenzialen identifiziert, die positiv auf eine Transformation zur Nachhaltigkeit hinwirken. So ist die Digitalisierung Voraussetzung für die Dekarbonisierung des Elektrizitätssektors, indem sie die Integration erneuerbarer Energiequellen in die Stromnetze ermöglicht. Für die Dematerialisierung, Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft bestehen große Potenziale der Digitalisierung, die jedoch noch längst nicht ausgeschöpft sind. V.a. beim Thema Elektroschrott braucht es neue Möglichkeiten zum Monitoring, Geschäftsmodelle sowie weitere digitale Dienstleistungen, um eine vollständige Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen. Digitalisierung fördert außerdem nachhaltigere Konsummuster durch größere Informations- und Angebotsvielfalt und andere neue Dienstleistungen, wie bspw. die Sharing-Ökonomie. Im Bereich der Landwirtschaft ermöglicht Digitalisierung eine sog. Präzisionslandwirtschaft sowie digitalen Zugang zu Agrarinformationen und Beratung für Entwicklungsländer.

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Präzisionslandwirtschaft bezeichnet die Ertragssteigerung bei gleichzeitiger Verringerung der Umweltschäden, indem sensorische Messungen, Monitoring und satellitengestützte Positionsbestimmung dazu genutzt werden, landwirtschaftliche Maschinen zu vernetzen und präzise sowie intelligent zu steuern. Die Digitalisierung bietet allgemein viele Möglichkeiten des Monitorings der Ökosysteme und biologischer Vielfalt, um z. B. Übernutzung und illegale Aktivitäten zu verhindern. Die Digitalisierung könnte einen Weg zu einem kollektiven Weltbewusstsein für nachhaltige Entwicklung schaffen. Digitalisierung fördert auch soziale Kohäsion, bspw. durch einen erleichterten Zugang zu Bildung, digitalen Gemeingütern und verbesserten öffentlichen Diskurs. Ohne Gestaltung und Steuerung der Digitalisierung können digitale Technologien jedoch einer nachhaltigen Entwicklung sogar entgegenwirken. Die Gefahren der Digitalisierung bestehen darin, dass Prozesse beschleunigt werden, die derzeit noch überwiegend auf fossilen Energieträgern und Ressourcenextraktion beruhen. Digitale Technologien verbrauchen selbst viel Energie und Ressourcen bei der Produktion (z. B. strategische Metalle und Seltene Erden) und einer kurzlebigen Nutzung. Eine steigende Anzahl an vernetzten Geräten braucht auch viel Energie für die Datenübertragung. Eine steigende Energieeffizienz könnte diesem Problem entgegenwirken, die jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht hoch genug ist, sodass die Energienachfrage weiterhin rasant zunimmt. Auch Möglichkeiten des Onlinehandels haben sozial und gesellschaftlich negative Folgen. Auch die Nutzung von Digitalisierungspotenzialen für eine nachhaltige Entwicklung geht direkt mit neuen Risiken einher, da eine Menge an Daten erhoben werden muss. Somit stellen sich Fragen nach Datensicherheit, Nutzungsrechten, Entscheidungsgewalten, Privatheit und Monopolisierung - wer die Daten nutzen darf, wer bestimmte Algorithmen entwirft, wer von neuen Geschäftsmodellen profitiert, welche Abhängigkeiten entstehen, welche Entscheidungen noch von Menschen getroffen werden, u.v.m.

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Eine weitere Gefahr besteht darin, dass ärmere Bevölkerungsschichten und Minderheiten einen erschwerten Zugang zu Informations- und Kommunikationstechniken bekommen, sodass ihnen die Teilhabe an der digitalisierten Gesellschaft erschwert wird und sie Diskriminierung zu befürchten haben. Solche Entwicklungen gefährden die menschliche Würde. So gefährdet zunehmende (digitale) Ungleichheit die soziale Kohäsion der (Welt-)Gemeinschaft. Auch zunehmende Machtkonzentrationen sind ein Trend, der sich bereits bei den fünf wertvollsten Unternehmen der Welt abzeichnet - Digitalkonzerne. Machtvolle Zugriffsmöglichkeiten und der Missbrauch von Daten von Milliarden Nutzer:innen könnten Autokratien erwachsen lassen. Zusätzlich könnten sich technische Entwicklung hin zu einer gesellschaftlichen Totalisierung und individuellen Gläsernheit ergeben, wodurch sich Bürgerrechte und die Privatheit der Menschen in Gefahr sehen. Letztendlich könnten Regierungen sich mit der hohen Geschwindigkeit digitaler Entwicklungen überfordert sehen, sodass es zu einer Erosion der Steuerungsfähigkeit kommt. Bereits jetzt fehlt es Regierungen an ausreichender Expertise, um die Potenziale der Digitalisierung zu nutzen und zu verhindern, dass selbstlernende Technologien der menschlichen Kontrolle entgleiten. Die WBGU empfiehlt deshalb ausdrücklich, dass die Gesellschaft jetzt ins Handeln kommt, um Digitalisierung in den Dienst der globalen Nachhaltigkeit zu stellen.